Tod als Therapie: Germanische Neue Medizin (GNM)

Dieser Artikel wurde am Sonntag 4. April 2010 für ein Anti-Esoterik Magazin geschrieben. Dies ist eine überarbeitete Version.

Eins haben fast alle Esoterik-Konzepte gemeinsam: Für den Erfinder bedeuten sie entweder Macht oder Reichtum. Thomas “Prinz von Briefmarkenstream” Hornauer bekommt seinen Energieausgleich, Scientology jegliche Habe ihrer Mitglieder und die Zeugen Jehovas ein paar auf’s Maul, wenn sie an der falschen Haustür klingeln.

Doch auch hier gibt es Sonderfälle, wie uns die Germanische Neue Medizin beweist.

Basierend auf den verschwurbelten Amateur-”Forschungen” eines Ex-Arztes namensRyke Geerd Hamer starben inzwischen hunderte Menschen, die sich – enttäuscht von der wissenschaftlichen Medizin – in die Hände eines Scharlatans und Metzgers begaben.

Das Prinzip der GNM ist simpel: Es gibt keine schweren Krankheiten wie Krebs – und wenn es sie doch mal gibt, dann sind diese Krankheiten nur entstanden, weil der Patient
  1. bereits von der wissenschaftlichen Medizin behandelt wurde,
  2. Konflikte im Leben hat, die z.B. Krebs verursachen,
  3. negativ denkt.
Die selben Ursachen hat es natürlich auch, wenn das Konzept der GNM nicht fruchtet.

Selbiges ist übrigens sehr einfach zu verstehen: Lasse die Patienten einfach mal lustig weiterleiden, unternimm nichts und schwadroniere einfach von positiver Energie.

Dass die schwerkranken Patienten, denen nicht mal Schmerzmittel verabreicht werden, unvorstellbare Höllenqualen erleiden, während sich der Krebs durch ihren Körper und ihre Knochen frisst, scheint Hamer und seinen Komplizen egal zu sein. Die GNM meint dazu: “Knochenschmerzen sind im Prinzip etwas Gutes, denn sie sind ein Zeichen sicherer Heilung” (Zitat der inzwischen offline gegangenen Seite Philar.com, Archivkopie hier). Jedes Verabreichen von Morphinen o.ä. würde zum Tod führen, da man den Körper vergiften würde.

Hamer stellte unter anderem in einem Interview in der Sendung “report” (ARD) die These auf, dass die Ärzte ihre Patienten mutwillig töten, z.B. mit “satellitgesteuerten Tötungschips”. Fast alle seiner Patienten bzw. Opfer wurden angeblich “ausgeknipst”. Insofern liegt es gar nicht an der GNM, dass die Erfolgsquote bei 0% liegt, sondern ganz allein an der bösen Schulmedizin. Außerdem sei bekannt, dass noch nie ein Jude an Krebs gestorben sei. Denn diese ganze Schulmedizin ist ja auch nur eine Erfindung der bösen Juden, um uns Nicht-Juden endlich abzumurksen.

Aber der Herr Hamer ist schlau, jaha! Der lässt das nicht einfach so mit sich machen!

Immer wieder, meistens nach publik gewordenen qualvollen Toden seiner Patienten, wirft er “Gutachten” in die Runde, welche belegen sollen, dass die GNM tatsächlich wirkt – auch wenn noch nie ein Patient von Hamer & Co. diese “Therapie” überlebt hat. Doch der Wert dieser “Gutachten” verflüchtigt sich schnell, wenn man ein bisschen genauer hinschaut: Unlesbare Unterschriften, Pseudoforschungsergebnisse von fragwürdigen Ärzten (teilweise ohne Approbation oder aus dem Ausland) und immer viel Eso-Geschwurbel. Denn ein Freund von Fakten ist Herr Hamer nicht.

Viel Geld macht Hamer mit seiner GNM übrigens auch nicht, das bestätigte eine ehemalige Mitarbeiterin seiner Metzgerbetriebe – äh! - Krankenhäuser, die Ende der 1980er per Gericht geschlossen wurden. Sonderliche Macht hat Hamer auch nicht, außer über seine Patienten. Die Frage stellt sich also: Warum quält er Menschen, lässt sie leiden und jämmerlich verrecken? Wer Hamer in einem Interview erlebt hat, weiß die Antwort. Der Kerl ist eine unglaublich arrogante Person, die zu 110% von sich selbst überzeugt ist. Alle Kritik und alles Zweifeln prallt an ihm ab, für objektive Forschungsergebnisse interessiert er sich nicht. Menschen sterben unter schlimmsten Umständen – für das persönliche Ego von Ryke Geerd Hamer.

Aktuell hält sich Hamer aus gutem Grunde in Norwegen auf. In mehreren Ländern, u.a. Frankreich und Deutschland, wurde Hamer wegen Körperverletzung und illegalem Artzt-Spielen verurteilt.

Doch warum Hamer seinen eigenen Hodenkrebs nicht nach der GNM behandeln, sondern per OP wegschnippeln hat lassen, konnte ich leider nicht herausfinden.

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